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Porträt: Wagner, Cosima







 

 

 

 
Geburt: 24.12.1837 in Como
Tod: 01.04.1930 in Bayreuth


 

 

 

Biographie:

Cosima Wagner entstammte der Verbindung zwischen der deutsch-französischen Gräfin Marie d'Agoult (die sich später - unter männlichem Pseudonym - erfolgreich schriftstellerisch betätigte) und dem österreichisch-ungarischen Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt. 1837 am Comersee geboren, verlebte sie eine wechselvolle Kindheit. Nach der Trennung der Eltern verbrachte sie zunächst einige Jahre in einem vornehmen Pariser Pensionat, bis sie auf Drängen des Vaters mit ihrer Schwester Blandine dem strengen Regime einer bigotten, deutsch-russischen Erzieherin unterstellt wurde.

Cosima Liszt durfte zwar nicht, wie dies ihre Mutter gewünscht hatte, Berufsmusikerin werden, erhielt aber eine gründliche pianistische Ausbildung. Sie wurde Schülerin des begabten Hans von Bülow in Berlin, mit dem sie bald ihre erste Ehe einging.

Im Sommer 1862 trat der enge Freund und Protegé Franz Liszts, Richard Wagner, in näheren Umgang mit dem Ehepaar Bülow. Zwischen der Baronin von Bülow und dem Komponisten begann daraufhin eine viel kommentierte und kulturgeschichtlich folgenreiche Beziehung. Nach jahrelangen Heimlichkeiten bekannte sich das Paar im Schweizer "Exil" in Tribschen bei Luzern offen zu seiner Gemeinschaft; zu den drei gemeinsamen Kindern Isolde, Eva und Siegfried stiessen, mit Bülows Billigung, auch dessen zwei Töchter, Daniela und Blandine.

Kurz nach seiner Übersiedelung nach Basel machte Friedrich Nietzsche dem verehrten Wagner im Mai 1869 in Tribschen seine Aufwartung, wobei er auch Cosima von Bülow kennenlernte. Im August 1870 heirateten Wagner und seine Gefährtin in Luzern; Nietzsche war als Trauzeuge vorgesehen, konnte diese Funktion aber wegen seines Dienstes im Deutsch-Französischen Krieg nicht erfüllen.

Cosima Wagner schätzte den jungen Nietzsche in erster Linie als intelligenten und gleichzeitig gebührend ehrfürchtigen Wagnerianer (der er ja damals tatsächlich - noch - war). Nietzsche seinerseits fand im "Tribschener Idyll" zeitweilig eine Art Ersatzfamilie, mit der er Wochenenden und Feiertage verbrachte und mit der er seine frühen Vorträge und Schriften zu kulturphilosophischen Themen besprach. Unzweifelhaft übten die Wagners nicht unerheblichen Einfluss aus auf Nietzsches Werk "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik".

Im April 1872 zog das Ehepaar Wagner mit den Kindern dann nach Bayreuth, wo der Komponist endlich sein eigenes Festspielhaus bekommen sollte. Mit der gewachsenen räumlichen Entfernung begann auch die unaufhaltsame Emanzipation Nietzsches vom Altmeister Wagner, ein Vorgang, der von diesem und Cosima mit Argwohn beobachtet wurde. Für eine gewisse Zeit wurde noch ein durchaus herzlicher Briefkontakt aufrecht erhalten, was allerdings nach der Publikation von Nietzsches erstem Aphorismenbuch, "Menschliches, Allzumenschliches" dann offenbar nicht länger möglich war. Nietzsche hatte sich von der philosophischen Grundlage entfernt, die ihn in seinen früheren Jahren mit Wagner und dem Wagnerschen "Kulturprogramm" so innig verbunden hatte. Diesen "Verrat" konnte Cosima Wagner ihm nicht verzeihen.

In der Folge stand sie ihrem Gatten weiterhin unbeirrt zur Seite, als wertvolle Stütze des "Bayreuther Unternehmens". Nachdem Wagner 1883 in Venedig gestorben war, nahm sie (nach einigem Zögern) in Bayreuth die schleifenden Zügel fest in die Hand und liess, nun auf Jahrzehnte alleinige "Herrin" und "Hüterin" des Erbes, ihren Macherqualitäten freien Lauf.

Obschon Nietzsche der katholisch Aufgewachsenen die Mitschuld an Wagners angeblichen "Kniefall vor dem Kreuz" in dessen Alterswerk "Parsifal" zuschob, blieben seine Gefühle der "Herrin von Bayreuth" gegenüber höchst ambivalent. Sie blieb in seiner Gedankenwelt offenbar sehr präsent, eine Präsenz, die dann kurz vor Nietzsches Abgleiten in die Geistesnacht wuchtig durchbrach. Vier seiner letzten brieflichen Mitteilungen (die sog. "Wahnsinnszettel") richtete er an Cosima Wagner.

Cosima Wagner-Liszt überlebte ihren Mann um siebenundvierzig und Nietzsche um dreissig Jahre. Über ihr Wirken auf dem "Grünen Hügel" als Festspielleiterin und "Gralshüterin" des Wagner-Kults waren und sind die Meinungen sehr geteilt.

© Inhalt Andrea Bollinger

© Design Brigitte Jörg

 

   
  

 

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